Jedes Schweifhaar erzählt eine Geschichte. - Teil 1

12. Aug.
2 Min. Lesezeit
Interview mit Nanna Salmi. Wer ist sie? Wie hat alles angefangen?
Wir sitzen mit einer Tasse Kaffee in Nannas Atelier. Mein Blick wandert durch den Raum: An der Wand hängen sorgfältig gebündelte Pferdehaare, auf dem Arbeitstisch liegen Entwürfe. Kleine Kunststoffbeutel tragen Namen, und in jedem befindet sich ein Bündel Schweifhaare – gesammelt von den Pferden ihrer Kundinnen und Kunden. Alles ist sorgfältig geordnet und mit großer Genauigkeit organisiert.


„Beim Umgang mit den Pferdehaaren bin ich äußerst sorgfältig. Ich arbeite niemals gleichzeitig mit den Haaren von zwei verschiedenen Kunden. Genau das ist der Kern meiner Arbeit: Jedes Schmuckstück wird aus den Haaren des eigenen Pferdes gefertigt, und ich möchte mir hundertprozentig sicher sein, dass das auch wirklich so ist“, betont Nanna.
Im Atelier sind Briefe aus aller Welt eingetroffen – manche sogar mit Pferdemotiven verziert.

„Es ist jedes Mal ein spannender Moment, wenn ich einen Umschlag öffne. Welche Farben werden mich erwarten? Wie lang sind die Haare? Manchmal kann der Inhalt eines Beutels sogar erschütternd sein… Es ist auch schon vorgekommen, dass sich Blut an den Haaren befand. Dann weiß ich sofort, dass etwas sehr Trauriges und Schweres geschehen sein muss.“
Oft erreichen die Pferdehaare Nanna zusammen mit einer Geschichte. Schon bevor sie ihre Arbeit beginnt, kennt sie den Namen des Pferdes, seinen Charakter und oft sogar seinen „Beruf“. „Wenn Menschen ein Schmuckstück bestellen, erzählen sie mir viel über ihr geliebtes Pferd. Es ist etwas ganz Besonderes den Kundinnen und Kunden auf diese Weise so nahe zu sein. Ich höre viele bewegende Geschichten, und oft sprechen wir gemeinsam darüber welches Flechtmuster den Charakter des Pferdes am besten widerspiegelt und am schönsten zu diesem Schmuckstück passt.“
„Wenn ich ein Bündel Pferdehaare in den Händen halte, beginnt es mir seine Geschichte zu erzählen. Genau dort entsteht die Inspiration für jedes einzelne Band“, sagt Nanna.
Ein kleiner Garten – ein Ort der Ruhe

Draußen scheint die Sonne. Durch das Fenster fällt der Blick auf einen Garten voller großer weißer Blüten. Ein Apfelbaum breitet seine Äste aus und schenkt der kleinen Oase im Hinterhof angenehmen Schatten. Überall grünes Laub und weiße Blumen – eine stille, friedliche Welt.
„Die Gartenarbeit ist für mich eine Möglichkeit zur Ruhe zu kommen und den Kopf für einen Moment freizubekommen. Sie ist etwas das ich gestalten kann – und gleichzeitig auch nicht. Der Garten lebt, verändert sich ständig und ist an jedem Tag und in jeder Jahreszeit anders“, erzählt Nanna.
„Ich genieße die Momente sehr wenn ich eine kleine Pause mache und mich dort hinsetze. Besonders nach einem Regenschauer wenn die Wassertropfen wie Millionen kleiner Diamanten glitzern. Dieses Gefühl erinnert mich an einen Ausritt durch den Wald nach dem Regen.“

Auch Nannas Calle fühlt sich in dem kleinen Garten sichtlich wohl. Er läuft ihr auf Schritt und Tritt hinterher und genießt die Herbstsonne.
„Calle begleitet mich überallhin: Er ist bei mir im Atelier während ich arbeite, und kommt mit in den Garten, wenn ich eine Pause einlege. Er ist wirklich der beste Arbeitskollege den man sich wünschen kann!“




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